Historische Bassalben, Part 1
Die Neunzigerjahre haben nicht nur mein Bassspiel geprägt, sondern auch mein Musikverständnis. Klar, ich war ein Teenager und wollte alles lernen was es auf dem Bass zu lernen gab, und verbrachte jede freie Minute auf der Suche nach Bassalben im Bass Player Magazine, Gitarre&Bass und gegen Ende der 90er auf dem Internet—schade, dass Youtube noch nicht online war.
Obschon Basslegenden wie Cliff Burton (Metallicabassist, gestorben in 1986), Tom Hamilton (Aerosmith) und Sir Paul McCartney, anfänglich zu meinen grössten Inspirationen gezählt haben, hat sich mein Bassspiel drastisch verändert, wo ich auf ein paar ganz spezielle Alben gestossen bin. Diese Alben hatten zwei Sachen gemeinsam: Höchste Spielkunst und Bassliebe!
Dave Pomeroy - Basses Loaded (1996/97)
Die August 1997 Ausgabe des amerikanischen Bass Player Magazine hatte nicht nur Oteil Burbridge auf dem cover, nein, sie kam mit einem Sampler von Earwave Records, welcher drei Songs von Dave Pomeroy’s Basses Loaded Album zum Besten gab. Der Opener des Samplers hat meine Aufmerksamkeit gleich gepackt und mich seither nicht mehr losgelassen: The Day The Bass Players Took Over The World. Der Song, geschrieben und performed von Dave Pomeroy, wurde zu meinem persönlichen Slogan in Sachen Musik. Jeder Klang im Song wurde auf einem Bass kreiert, ausser den Gesang, und diese All-Bass-Komposition lässt nichts zu wünschen übrig. Fretted und fretless E-Bässe, Kontrabässe, verschiedene Sounds, und die Lyrics treffen das bassende Herz wie Amors Pfeil. Dies ist die Bass Player Hymne schlechthin!
Michael Manring – Thonk (1994)
Ein Meilenstein der Bassmusikgeschichte. Thonk ist ein 11-Song-Instrumentalalbum mit vier Basssolosongs, die meinen Horizont stark erweitert haben. Zwei davon möchte ich hier hervorheben. Monkey Businessman ist eine Komposition mit viel Groove und interessantesten Techniken. Michael slappt, tappt, spielt Akkorde und Flageolets und all das auf einem fretless Zon Hyperbass. Gleichermassen hat mich My Three Moons inspiriert, obschon ich noch nie simultan auf drei (!!!) Bässen gespielt habe. Ja, ihr habt richtig gelesen. Michael Manring spielt gleichzeitig drei Bässe und ist somit sein eigenes One-Man-Bass-Orchester. Ein echtes Feierwerk live! Diese zwei Kompositionen haben meine Basssolosongs am meisten inspiriert. Bei jedem neuen Hören finde ich neue Ansätze, die ich in meine Musik einfliessen lassen will.
Bass Extremes: Steve Bailey / Victor Wooten – Cookbook (1998)
Etwas ganz spezielles an diesem Album ist, dass keine Overdubs verwendet wurden und lediglich die zwei Bassspuren der Herren Bailey und Wooten und Percussion zu hören sind. Falls eine dritte Bassspur zu hören ist, wurde diese von Oteil Burbridge oder Will Lee eingespielt. Obschon das Album etwas öde für nicht-bassende Gemüter klingen kann, ist es für das geschulte Bassisstenohr ein Leckerbissen. Dank dem enormen Soundunterschied zwischen Vic und Steve und dem starken Links-Rechts-Pan der beiden Bässe, ist dem Hörer stets klar wer welche Linie spielt. Ein absolutes Highlight von Cookbook ist der Tributesong Glorious Pastorius. Sehr melodiös und einfach wunderschön arrangiert kommt dieses Meisterwerk daher. Nichts fehlt. Steve und Vic begleiten und solieren abwechselnd und legen dem Hörer viel Freude in die Ohren.
Eine weitere Basshymne wurde mit Bassically Yours geschrieben. Will Lee singt über die Liebe zum Bass und spielt eine bodenständige Basslinie ein, welche den Song zum Bass-Rock-Song schlechthin macht.
Viel Vergnügen beim Reinhören!
- Victor Wooten - Wooten Woods (8 Kommentare)
Filed Under: Bassisten
Tags: Bass Extremes, Basses Loaded, Cookbook, Dave Pomeroy, Michael Manring, Steve Bailey, Thonk, victor wooten, Will Lee










Comments (4)
Aaaaaaaaaaaaaaaah
April 1st, 2009 at 06:52
THONK von Michael Manring ist wahrlich ein erleuchtendes Album.
Der Man(n) nervt auch nicht mit Angeberei, sondern hat einfach unglaublich schöne Sachen drauf, die aber eben nicht auf reine Technik hinauslaufen, sondern wohl durchdacht komponiert sind.
Die anderen Alben kenne ich noch nicht, vielleicht höre ich sie mir mal an. Danke für den Tip !
Tilman
Jägermeister
April 3rd, 2009 at 12:03
genau, das album vom michael manring ist eins meiner lieblinge überhaupt, ihr solltet euch das mal anhören!
von victor wooten und steve bailey kenn ich jeztt auch nur diverse youtube-videos, die sind allerdings auch sehr interessant. wenn die cd noch zu haben ist, werd ich mir die auf jeden fall auch anschaffen!
übrigens ist die rubrik ‘historische bassalben’ ne sehr gute idee, ich hab zum beispiel auch nicht gewusst, dass es von wooten und bailey ein album gibt. danke an euch und weiter so!
Hannes
April 3rd, 2009 at 13:21
Wollte mir nun Michael Manring Thonk bestellen, scheinbar vergriffen oder evtl über USA bestellbar. Schade.
Jägermeister
April 19th, 2009 at 12:03
thonk ist bei amazon noch zu haben, wenn leider auch ziemlich teuer, siehe hier:
http://www.amazon.de/Thonk-US-Michael-Manring/dp/B000008I3B/ref=sr_1_7?ie=UTF8&s=music&qid=1240137827&sr=8-7
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