Vulturebass

Bassbau | Autor: Sam Steiner Kommentar hinzufügen

Bassic führte dieses Interview mit Martin Geier, dem Mann hinter Vulturebass. Das Interview wurde ursprünglich auf Bassic veröffentlicht und wurde nun in das Bassnews-System übernommen.

Hallo Martin. Du widmest dich mit deiner Firma “Vulture Bass” dem Bassbau. Wann hat diese Leidenschaft angefangen, wann wurde daraus mehr als Hobby?

Martin GeierAngefangen hat das mit dem Bässebauen als ich 14 war. Mein bester Freund hat sich damals einen E-Gitarren Korpus selbst gebaut und hat den Hals seiner Strat hingeschraubt, das fand ich echt klasse.

Ich musste das natürlich auch probieren, und so baute ich mir ebenfalls einen Korpus für meinen vorhandenen Bass. Das Resultat war wirklich sehenswert und vor allem hat es richtig Spaß gemacht. So setzte ich mir in den Kopf Gitarrenbauer zu werden. Ein wenig später baute ich einen kompletten Bass mit durchgehendem Hals.

Ich fing an, mich sehr intensiv mit Hölzern und den Bäumen zu beschäftigen, aber auch mit Bässen und verschiedene Bauarten derer. Weil es sehr schwierig war, oder ist, eine Lehrstelle als Gitarrenbauer zu bekommen, beschloss ich erst mal meine handwerklichen Kenntnisse in einer Schreinerlehre zu festigen, was auch sehr sinnvoll gewesen ist. Die ganze Zeit über beschäftigte ich mich immer mehr und intensiver mit den Hölzern, und hielt natürlich Ausschau nach einer Gitarrenbaustelle. Als ich dann damals bei Schack Guitars anfangen konnte, machte ich endlich mein Hobby zum Beruf und lernte, wie man von der Pieke auf einen Bass baut. Aber auch E-Gitarren, Konzertgitarren und Westerngitarren lernte ich zu bauen, was mit dem Besuch der Geigenbauschule in Mittenwald abgerundet wurde.

Du bietest Bässe nach Kundenwunsch an. Beschreibe mal, wie ein solcher Auftrag aussieht. Was muss ein “ambitionierter” Kunde so drauf haben bezüglich Kenntnisse über Hölzer, Elektronik usw?

Der Kunde braucht eigentlich nur zu wissen, was er genau haben möchte: Die Soundrichtung, die Halsstärke, ob aktiv oder passiv usw. Mehr muss er ja im Grunde auch nicht draufhaben, dafür gibt es ja mich. Der Musiker sollte die Soundrichtung kennen, was er im Normalfall auch tut. Ich zeig ihm dann die Hölzer und die Bauart, die in Frage käme und berate ihn auch zu allen Fragen, die sonst noch relevant sind, z.B. Elektronik, Hardware, Tonabnehmer usw.

Auch bei der Oberflächenbehandlung kann sich der Musiker aussuchen, was er gerne hätte. Alle Farben sind z.B. möglich, Hochglanz oder Mattlack, der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt, genau wie beim Musik machen.

Ich nehme an, ein Bassbauer ist immer auf der Suche nach dem idealen Ton. Kannst du ein Beispiel nennen für angewandte Erfahrung? Eine Fertigungsart, die du entwickelt hast?

Klar, der ideale Ton ist immer eins der primären Ziele eines Instrumentenbauers. Auf der Frankfurter Musikmesse stellte ich den Prototypen meines neuen Bassmodells vor: den “Toba”. Es ist ein Fretless aus super erlesenen Hölzern. Bei diesem Bass habe ich eine ganz spezielle Brückenkonstruktion entwickelt, bei der am Ende des Korpusses ein Stück Ebenholz oder Palisander genau eingepasst ist. Die Saiten laufen durch dieses hölzerne Brückenelement und werden davon gehalten. Auch der andere Teil der Brücke ist aus Holz gefertigt, ausser die Saitenreiter, die nach wie vor aus Messing sind, um sie dreidimensional verstellen zu können. Dadurch ergibt sich ein sehr holziger, weicher, kontrabassartiger Fretlesston.

Das obere Korpushorn (die Soundschnecke) ist fest mit dem Hals verleimt und bringt durch die Steifigkeit die entsteht noch mal zusätzlich strafferen Ton und Sustain. Die Elektronik ist für Fretlesspuristen ausgelegt. Daher besteht sie lediglich aus einem Lautstärkeregler mit zusätzlicher Höhenblende und einem Miniswitch um die Tonabnehmerspulen anzuwählen. Alles Andere ist natürlich trotzdem auf Wunsch machbar.

Was sind die nächsten Ziele für Vulture Bass - bautechnisch oder als Firma allgemein?

Bautechnisch gesehen ist das nächste Ziel, einen Akkustikbass auf den Markt zu bringen der sich soundtechnisch gesehen von den Bässen, die es im Moment gibt abhebt. Dabei geht es weniger darum, einen Bass zu bauen, der die Lautstärke einer Westerngitarre bringt, denn das ist schon rein physikalisch gar nicht möglich - abnehmen muss man einen Akkubass sowieso. Es geht eher um den kultivierten, ausgeglichenen, schnell ansprechenden Klang mit einer bestmöglichen Tonabnahme sowie einen neuartigen Tonabnehmer. Aber mehr will ich noch nicht verraten. Das Ziel meiner noch relativ jungen Firma ist es natürlich, mich auf dem Markt zu beweisen und durchzusetzen, neue Vertriebswege an Land zu ziehen und bekannte Musiker als Endorser zu gewinnen. Da bin ich noch für Vieles offen.

Wie finden deine Kunden zu dir? Wie bewirbst du deine Bässe? Hast du Deals mit Musikläden?

Die meisten Kunden finden mich über das Internet, ist halt auch die gängigste Art zur Zeit. Ich habe auch einige Anzeigen in Fachmagazinen am laufen z.B. im Bassprofessor. Im Gitarre und Bass war ein Testbericht von einem 5-Saiter von mir. Es kommen aber auch Kunden zu mir, die z.B. von ihren Bandkollegen wissen, dass es mich gibt. Ich mache ja auch alle Reparaturen, die anfallen, auch an akustischen Gitarren und allen Zupfinstrumenten.

Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Deals mit Musikgeschäften. Wer Bässe von mir testen möchte, kann das zur Zeit in Frankfurt bei Musik Schmidt ganz gut machen, oder natürlich bei mir direkt in der Werkstatt vorbeischauen.

Spielst du selbst aktiv in einer Band Bass?

Klar! Ich spiele Bass bei der Band “Sonic Club” (www.sonicclub.de), wo wir Pop, Funk und Soulsongs aus den 70ern und 80ern covern. Das besondere daran ist der dreistimmige Chorgesang und dessen Arrangements. Der Hauptchor besteht aus 2 Sängerinnen und einem Sänger, die mit weiteren Sängern kombiniert werden können. Die Band besteht aus Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards und Sax. Und wir sorgen für richtig Groove!

Des weiteren spiele ich Begleitung bei einem Gitarrenduo (www.schall-stieber.de). Hier spiele ich nur Fretlessbass. Die Musikrichtung geht von Bossanova bis Flamenco und ist natürlich sehr gitarrenlastig. Es sind nur eigene Stücke, die aus der Feder von Jan Pascal Stieber und Alexander Schall, zwei sehr begabten Gitarristen stammen.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit deiner jungen Firma “Vulture Bass“…

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Filed Under: Bassbau

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Comments (1)

förb

Februar 5th, 2009 at 22:56    


Danke für das Interview Sam! :)

Kannte die Bässe vorher garnicht und dabei sitzt Vulturebass nur 30 km von mir weg!

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